Traurigkeit und Glück gehen oft Hand in Hand

Auf dem Weg zu etwas hin muss man zwangsläufig auch von etwas weg. Oft geht dieses gefühlt mit der latenten Angst vor Veränderung einher. Veränderung hat unverdient einen sehr schlechten Ruf. Das Alte kennt man. Hat sich eingenistet. Kennt seinen Platz, seine Wege, seine Routinen. Man muss nicht mehr nachdenken, um gut zu funktionieren.
 
Damit macht man es sich aber auch sehr sehr einfach. Das Gehirn läuft auf Sparflamme, man sumpft im eigenen Trott und verpasst das eigene Potential.
 
Je bewusster man im Moment ankommt und ihn wahrnimmt, desto bewusster kann man auch damit umgehen, ihn hinter sich zu lassen.
 
Eine Lebensphase, eine Reise, ein Besuch bei Freunden und Familie. Es ist immer mit etwas Schwermut verbunden, Goodbye zu sagen. Und ich halte es für wichtig, dieses Gefühl auch kurz zuzulassen. Um ihm Raum zu geben. Um den Emotionen die Möglichkeit zu geben, eine Notiz zu hinterlassen.
 
Andernfalls rauschen Situationen einfach ungenutzt an uns vorbei. Es geht ja auch darum, zu lernen und zu wachsen. Und das geht nur, wenn man den Input für seelisches und geistiges Wachstum auch zulässt.
 
Ja, das bedeutet kurz verletzlich zu sein. Es bedeutet sich selbst einzugestehen, dass einem etwas schwer fällt. Man ein wenig traurig ist, weil es schön war und man sich nun wieder entfernt.
Aber genau da sollte das Gedankenkarusell innehalten. Und man kann sich bewusst machen, dass es schön war.
 
Nochmal: Es war schön, ich hatte wundervolle Momente, ich bin froh, das erlebt zu haben!
 
Und ab hier darf dann ein Lächeln einkehren, dass die trüben Gedanken schmälert und die Segel Richtung nach vorn setzt.
 
Etwas weniger abstrakt ein Beispiel:
 
Ich bin diesen Sommer viel mit meinem Bus unterwegs gewesen. Weil es jetzt wieder geht und ich viele liebe Menschen sehr schmerzlich vermisst habe die letzten 1,5 Jahre.
Gerade weil ich sie alle so lange nicht mehr umarmen konnte und nur digital an ihrem Leben teil hatte, habe ich jede Sekunde genossen. Bin achtsam mit den Momenten umgegangen und hab offen und aufmerksam zugehört. 
 
Jedes Mal, wenn ich dann wieder den Motor gestartet habe und ein neues Ziel im Navi stand, war es mit Wehmut vermischt. Also hab ich keine Musik angemacht, keine Ablenkung, sondern hab es wirken lassen. Was war, die schönen Gespräche, was ich für mich mitnehmen und lernen konnte. Viel davon auch über mich.
Und irgendwann stellt sich dann das schöne Gefühl ein, Teil von etwas Schönem gewesen zu sein und die Freude auf das was vor mir liegt.
 
Erkennen, Annehmen, Verarbeiten, Weitermachen.
 
Klingt zunächst banal. Es fühlt sich aber sehr nachhaltig an. Es bedeutet keineswegs, Dinge zu vergessen oder ihnen keinen Wert beizumessen.  
 
Es bedeutet lediglich, dass alles seinen Platz hat und genau den Eindruck hinterlässt, der wichtig und gesund ist, um daran zu wachsen. 
 

Dinge zu konservieren ist meist keine gute Idee.  Die schönen,  als auch die schlechten. Man hängt dann fest. Steht still. Rostet ein. Und irgendwann hat man ganz vergessen, wie schön es ist, zu neuen Ufern aufzubrechen, etwas zum ersten Mal zu machen oder einfach Dankbar zu sein, für all das, was einem das Leben bietet.